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Wald und Wiese zu Neujahr

Pause

Nachdem ich 2016 leider nicht am Blog arbeiten konnte, nun erst einmal ein Pausenbild. Beruf und politisches Amt zugleich lassen doch wenig Zeit, Texte zu verfassen, die ich auch als gelungen betrachte und nicht nur schnell hin geschrieben sind. Abwarten, wie sich 2017 gestaltet – notwendig wäre weiteres Arbeiten hier, wenn ich mir die gesellschaftlichen Entwicklungen anschaue… Doch auch ein Winter geht vorbei.

Danach …

Bis in die letzten Tage des vergangenen Jahres hat uns nun der Tod begleitet. Mir ist in dieser Zeit der Text meiner ersten Predigt, die ich in meinem Studium gehalten habe, wieder in die Hände gefallen. Das ist über zwanzig Jahre her, manches Detail würde ich heute anders formulieren. Vielleicht mag sie trotzdem beitragen, Dinge abzuschließen und das neue Jahr anders zu beginnen, als das alte. Ich widme den Text meinem Freund Kristian.  

Abschied

Die Brille liegt noch auf dem kleinen Tisch neben seinem Sessel, dabei zwei Bücher, einige Prospekte und Zeitschriften. Eine Schere, sein letztes Arbeitsgerät, ist zu sehen. Ich nehme seine letzten Bücher in die Hand, ein Buch mit Texten über das Sterben und ein Taschenbuch mit Aufsätzen von Jürgen Habermas – kleine Essays zu Aktualität von Denkern des 20.Jahrhunderts, Theodor Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Gershom Scholem und ja, Ernst Bloch… 1954 beginnt in Leipzig mein Vater als ein junger Mann Medizin zu studieren. Über seine Zeit davor höre ich kaum etwas von ihm selbst. Meine Mutter erzählt mir von seinen Erlebnissen in der Dresdner Bombennacht im Februar 45, von seiner geliebten Großmutter in Ulm, wohin sie fliehen, im Kontrast dazu von der erfahrenen Lieblosigkeit in seinem Elternhaus in Dresden. Von dem Hunger der Nachkriegswinter, in denen man mangels anderem mit Rizinusöl briet, und der die bürgerliche Fassade der Arztfamilie bricht. In Leipzig angekommen, wird er sich eine Eintrittskarte für ein Konzert von Louis Armstrong vom Mund absparen und wochenlang deswegen nur Senfbrote verzehren.