Alle Artikel in: Der lange Text

Featured für Big 2, nur einmal vergeben

Danach …

Bis in die letzten Tage des vergangenen Jahres hat uns nun der Tod begleitet. Mir ist in dieser Zeit der Text meiner ersten Predigt, die ich in meinem Studium gehalten habe, wieder in die Hände gefallen. Das ist über zwanzig Jahre her, manches Detail würde ich heute anders formulieren. Vielleicht mag sie trotzdem beitragen, Dinge abzuschließen und das neue Jahr anders zu beginnen, als das alte. Ich widme den Text meinem Freund Kristian.  

Strand mit Verschleierten

Nahöstliche Irritationen

„Mein Vater ist auch ein Märtyrer!“ ruft B. in den Raum. Wir stehen in seinem Elternhaus in Beit Jala und betrachten seine Bilder, seine Sicht auf die Menschen in Palästina. „Die Entscheidung“ heißt eines, eine nackte schwangere Frau zwischen zwei Männern. Er kann es nicht ausstellen, zu viele Tabus seiner Umgebung bricht es gleichzeitig. Wir sprechen über den Konservatismus der palästinensischen Gesellschaft, die Hoffnungslosigkeit der jungen Leute, die Zwiespältigkeit in seinem Land. Ich erwähne eine Begebenheit meines letzten Besuchs zur Unterzeichnung des Städtepartnerschaftsvertrags von Jena und Beit Jala. Zu Beginn der Zeremonie erklangen die jeweiligen Hymnen, alle hatten sich im Rathaussaal von ihren Sitzen erhoben. Da sagte der Bürgermeister auf einmal, dass wir nun der Märtyrer gedenken. Uns sträubten sich die Gedanken im Kopf. Waren das nicht die Bombenbauer? Sollten wir jetzt Selbstmordattentätern Ehre erweisen? Hinsetzen ging nicht, ein zu großer Affront, Stehenbleiben aber auch nicht. Wir fühlten uns benutzt. Falsch – sagt B., Märtyrer seien alle Toten des Konfliktes. Sein Vater kam während der ersten Intifada eines Abends von der Arbeit nach Hause und …

Brief an Schiller

In der Kategorie Zweitverwertung werde ich ab und zu ältere Texte u.a. von mir veröffentlichen. Der nachfolgende erste Beitrag, der erstmals leicht gekürzt 2005 in der Studentenzeitung Akrützel erschienen ist, entstand im Nachgang zu einem MDR-Projekt „Schüler schreiben Schiller“. Auf einer längeren Autofahrt durfte ich mir damals im Radio dessen Ergebnisse anhören. Der rührende Idealismus der Briefe weckte in mir spontan den Impuls, eine „realistischere“ Variante zu verfassen. Der Text orientiert sich an den damaligen politischen Rahmenbedingungen, ob sich diese heute grundsätzlich geändert haben, mögen die Leser selbst beurteilen…