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Der Soundtrack der Wüste – oder Gewehre zu Gitarren

Die kleine Reihe zu Musik aus Nordafrika und den Nahen Osten setze ich mit den Bands Tinariwen und Tamikrest und einer Filmempfehlung fort. Tinariwen bedeutet Wüste, leerer Ort – eine Beschreibung des Lebensumfelds im Süden Algeriens und dem Norden Malis, woher die Musiker stammen. Weite, Ausgeliefert- und Einssein mit einer Landschaft, die man endlos durchfährt wie im Video. In Originalschrift liest sich der Bandname so: +|O:|. Es ist Tamaschek, die Sprache der Tuaregs, zu denen die Band um den Frontmann Ibrahim Ag Alhabib gehören.

Zuhören – Anuar Brahem

Noch ein paar Sekunden innehalten. Noch schwingen die sanften Töne. Noch ist der Gedanke irgendwo zwischen Mittelmeer und Wüste beheimatet. Noch schwebt das Gefühl in freundlicher Wehmut. Ich werde auf meinem Blog eine kleine Serie beginnen, die Musiker mit Wurzeln in Nordafrika und dem Nahen Osten vorstellen soll. Mancher mag den einen oder anderen Namen gehört haben, vielleicht auch ihre Musik kennen. Im Zentrum der musikalischen Wahrnehmung standen sie jedoch zumindest in meinem Freundeskreis mit wenigen Ausnahmen nicht.  Eine kleine Anregung in einer bewegten Zeit von Flucht, Mord und Hass, gar nicht einmal als politisches Statement – oder vielleicht gerade doch. Vielleicht sollten wir ihnen einfach zu hören, sich von ihnen beschenken lassen, ihre eigene Tiefe, Melancholie und Heiterkeit ergründen. Vielleicht entsteht eine Neugier auf Unbekanntes, das noch nicht von  Nachrichten und Vorurteilen festgeschrieben ist. Beginnen möchte ich mit Anouar Brahem, der schon lange in der arabisch-französischen Jazzszene etabliert ist, auch wenn er für sich selbst dieses Label eher nicht verwendet.

Das verlorene Bild

Als vor einigen Wochen der fünfte Jahrestag der Wiedereröffnung der Villa Rosenthal als kultureller Begegnungsort gefeiert wurde, stand ein Bild im Zentrum der Festreden. Letztes Jahr wurde das lange verschollene Porträt von Clara Rosenthal wieder entdeckt. Insbesondere ausdauernde, verdienstvolle Recherchen von Stephan Laudien führten letztlich dazu, dass das Bild im Erzbistum Paderborn wieder aufgefunden werden konnte. Das Werk des Malers Raffael Schuster-Woldan gelangte im letzten Frühjahr als Geschenk der Kirche wieder nach Jena, nun hat es seinen würdigen Platz im Salon der Villa wiedererlangt. Die Begeisterung, die der Fund auslöste, ist wohl nicht nur dem Umstand geschuldet, dass nunmehr sich mit Clara Rosenthal ein Gesicht verbindet. Es ist auch die Heimholung eines Ideals einer bürgerlichen Existenz in Jena. Weitläufig gebildet, elegant im Reden und Schreiben, eines offenes Haus pflegend, Künste fördernd, Liberalität verströmend – so wird die Hausherrin, aber auch ihr Mann verehrt. Dies verbindet sich mit dem Schauder und der Scham, die das Schicksal Claras hinterlässt. In der Nazizeit als Jüdin in Jena immer mehr isoliert, immer stärkeren Versuchen, sie aus ihren Haus zu …

Genähte Bücher und andere Kleinode – der Berliner Kleinstverlag „Katzengraben-Presse“

Aller zwei Jahre kann sich der Buchliebhaber auf die Buchkunstausstellung im Reithaus an der Ilm in Weimar freuen. Hier wird das Buch selbst zum Kunstobjekt. Auch auf der Leipziger Buchmesse gibt es jedes Mal eine besondere Abteilung, die der künstlerischen Buchgestaltung gewidmet ist Präsent ist jedes Mal Christian Ewald mit seiner Katzengraben-Presse, und ein Besuch seines Standes ist mittlerweile meine gute Gewohnheit. Christian Ewald, 1949 in Weimar geboren und dort am Rand der Stadt aufgewachsen, ausgebildeter Schriftsetzer und nach mehreren weiteren Etappen studierter Graphiker in Berlin, verfertigte zunächst in DDR-Zeiten handgeschriebene Bücher. Am 2. Oktober, 23:59 Uhr, wagte er gemeinsam mit Jan Silberschuh den Schritt ins Verlagsleben – 999 Exemplare der „Ostberliner Treppengespräche“ erschienen als definitiv letztes in der DDR verlegtes Buch. Seit dieses Jahr erfreut der Verlag, der seinen Namen übrigens von der Straße, an der er beheimatet ist, in Köpenick erhalten hat, mit einer ganzen Reihe von vorzüglich gestalteten Büchern in einer je 999fachen Auflage, davon 99 Exemplare mit einer Vorzugsgrafik, die Normalausgabe zum Preis – Achtung – von je 98 Euro. Zweimal …

Brief an Schiller

In der Kategorie Zweitverwertung werde ich ab und zu ältere Texte u.a. von mir veröffentlichen. Der nachfolgende erste Beitrag, der erstmals leicht gekürzt 2005 in der Studentenzeitung Akrützel erschienen ist, entstand im Nachgang zu einem MDR-Projekt „Schüler schreiben Schiller“. Auf einer längeren Autofahrt durfte ich mir damals im Radio dessen Ergebnisse anhören. Der rührende Idealismus der Briefe weckte in mir spontan den Impuls, eine „realistischere“ Variante zu verfassen. Der Text orientiert sich an den damaligen politischen Rahmenbedingungen, ob sich diese heute grundsätzlich geändert haben, mögen die Leser selbst beurteilen…