Autor: Tilo Schieck

Danach …

Bis in die letzten Tage des vergangenen Jahres hat uns nun der Tod begleitet. Mir ist in dieser Zeit der Text meiner ersten Predigt, die ich in meinem Studium gehalten habe, wieder in die Hände gefallen. Das ist über zwanzig Jahre her, manches Detail würde ich heute anders formulieren. Vielleicht mag sie trotzdem beitragen, Dinge abzuschließen und das neue Jahr anders zu beginnen, als das alte. Ich widme den Text meinem Freund Kristian.  

Das verlorene Bild

Als vor einigen Wochen der fünfte Jahrestag der Wiedereröffnung der Villa Rosenthal als kultureller Begegnungsort gefeiert wurde, stand ein Bild im Zentrum der Festreden. Letztes Jahr wurde das lange verschollene Porträt von Clara Rosenthal wieder entdeckt. Insbesondere ausdauernde, verdienstvolle Recherchen von Stephan Laudien führten letztlich dazu, dass das Bild im Erzbistum Paderborn wieder aufgefunden werden konnte. Das Werk des Malers Raffael Schuster-Woldan gelangte im letzten Frühjahr als Geschenk der Kirche wieder nach Jena, nun hat es seinen würdigen Platz im Salon der Villa wiedererlangt. Die Begeisterung, die der Fund auslöste, ist wohl nicht nur dem Umstand geschuldet, dass nunmehr sich mit Clara Rosenthal ein Gesicht verbindet. Es ist auch die Heimholung eines Ideals einer bürgerlichen Existenz in Jena. Weitläufig gebildet, elegant im Reden und Schreiben, eines offenes Haus pflegend, Künste fördernd, Liberalität verströmend – so wird die Hausherrin, aber auch ihr Mann verehrt. Dies verbindet sich mit dem Schauder und der Scham, die das Schicksal Claras hinterlässt. In der Nazizeit als Jüdin in Jena immer mehr isoliert, immer stärkeren Versuchen, sie aus ihren Haus zu …

Humor und Kunst?

Dieser Frage geht das ACC in Weimar noch bis zum 28.12.2014 in seiner Ausstellung“Does Humor Belong In Art?“ nach. Installationen und Videos lassen uns unsicher zurück, ob sich die Gegenwartskünstler selbst immer ernst nehmen. Ein nicht unwichtiger Hinweis für sich noch unsichere Besucherkandidaten erscheint mir dabei, dass das ACC-Cafe nun auch von der Kuchenmanufaktur Koriat beliefert wird.

Abschied

Die Brille liegt noch auf dem kleinen Tisch neben seinem Sessel, dabei zwei Bücher, einige Prospekte und Zeitschriften. Eine Schere, sein letztes Arbeitsgerät, ist zu sehen. Ich nehme seine letzten Bücher in die Hand, ein Buch mit Texten über das Sterben und ein Taschenbuch mit Aufsätzen von Jürgen Habermas – kleine Essays zu Aktualität von Denkern des 20.Jahrhunderts, Theodor Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin, Gershom Scholem und ja, Ernst Bloch… 1954 beginnt in Leipzig mein Vater als ein junger Mann Medizin zu studieren. Über seine Zeit davor höre ich kaum etwas von ihm selbst. Meine Mutter erzählt mir von seinen Erlebnissen in der Dresdner Bombennacht im Februar 45, von seiner geliebten Großmutter in Ulm, wohin sie fliehen, im Kontrast dazu von der erfahrenen Lieblosigkeit in seinem Elternhaus in Dresden. Von dem Hunger der Nachkriegswinter, in denen man mangels anderem mit Rizinusöl briet, und der die bürgerliche Fassade der Arztfamilie bricht. In Leipzig angekommen, wird er sich eine Eintrittskarte für ein Konzert von Louis Armstrong vom Mund absparen und wochenlang deswegen nur Senfbrote verzehren.

Bericht von Michel Reimon über die Hilfsflüge zu den Jesiden

In unserer schnelllebigen Zeit und dem Hetzen nach immer neuen Nachrichten aus den Krisengebieten bleiben wichtige Berichte oft nicht lange im Focus. Nachfolgender Bericht des grünen EU-Abgeordneten Michel Reimon (Österreich) gehört m.E. zu denjenigen, die uns lange im Gedächtnis bleiben sollten. Gerade solche authentischen Bildern sind notwendig, um uns zu informieren und um Entscheidungen vorzubereiten. Danke an Michel Reimon dafür.

Genähte Bücher und andere Kleinode – der Berliner Kleinstverlag „Katzengraben-Presse“

Aller zwei Jahre kann sich der Buchliebhaber auf die Buchkunstausstellung im Reithaus an der Ilm in Weimar freuen. Hier wird das Buch selbst zum Kunstobjekt. Auch auf der Leipziger Buchmesse gibt es jedes Mal eine besondere Abteilung, die der künstlerischen Buchgestaltung gewidmet ist Präsent ist jedes Mal Christian Ewald mit seiner Katzengraben-Presse, und ein Besuch seines Standes ist mittlerweile meine gute Gewohnheit. Christian Ewald, 1949 in Weimar geboren und dort am Rand der Stadt aufgewachsen, ausgebildeter Schriftsetzer und nach mehreren weiteren Etappen studierter Graphiker in Berlin, verfertigte zunächst in DDR-Zeiten handgeschriebene Bücher. Am 2. Oktober, 23:59 Uhr, wagte er gemeinsam mit Jan Silberschuh den Schritt ins Verlagsleben – 999 Exemplare der „Ostberliner Treppengespräche“ erschienen als definitiv letztes in der DDR verlegtes Buch. Seit dieses Jahr erfreut der Verlag, der seinen Namen übrigens von der Straße, an der er beheimatet ist, in Köpenick erhalten hat, mit einer ganzen Reihe von vorzüglich gestalteten Büchern in einer je 999fachen Auflage, davon 99 Exemplare mit einer Vorzugsgrafik, die Normalausgabe zum Preis – Achtung – von je 98 Euro. Zweimal …